●Erster Satz●
Michael rannte, so schnell er konnte, die Straßen entlang - vorbei am Verkehrsstau - zum New York Hospital, wo Jane im Sterben lag, als er plötzlich von einer Szene aus seiner Vergangenheit verfolgt wurde, von einer wirren Abfolge überwältigender Erinnerungen, die ihn beinahe aus den Turnschuhen rissen.

●Inhalt●
Als einsames kleines Mädchen hatte Jane einst einen treuen Freund und Begleiter: Michael. Doch Michael, unsichtbar für alle anderen Menschen, musste sie an ihrem neunten Geburtstag verlassen, so will es ein ehernes Himmelsgesetz. Dreiundzwanzig Jahre später führt Jane ein zutiefst unglückliches Leben. Ihr anstrengender Beruf füllt sie nicht aus, die Beziehung zu ihrem Freund Hugh ist nur noch eine Farce. Da trifft sie eines Tages auf einen Mann, von dem sie sich sofort angezogen fühlt. Und dieser Mann trägt den Namen Michael...

●Meine Meinung●
Jedes Kind hat einen imaginären Freund, ebenso Jane. Doch an ihrem neunten Geburtstag verlässt dieser sie und sie wird ihn für immer vergessen. So lautet jedenfalls der Plan der imaginären Freunde, doch das läuft schief. Janes vergisst Michael niemals.

Die Geschichte zwischen Jane und Michael riss mich am Anfang nicht unbedingt mit, da Patterson es nicht geschafft hat, eine kindliche Atmosphäre zwischen Jane und ihrem imaginären Freund zu schaffen. Die Kindheit wurde allgemein sehr kurz gehalten, was ich sehr schade fand, da ich gerne noch mehr über die Erlebnisse von Jane und Michael damals erfahren hätte.
Die Erzählung um die erwachsene Jane ist dagegen sehr gut gestaltet. Witz und Spannung kommen nicht zu kurz, wenn Jane auf ihre Mutter, ihren egoistischen Freund und Schauspieler Hugh oder später auf ihren damaligen imaginären Freund Michael trifft.

Jane ist eine sehr sympathische Frau, die keine perfekten Züge hat, sondern eine pummelige Figur und ein sehr niedriges Selbstwusstsein aufweist. Sie arbeitet in der Filmproduktionsfirma ihrer Mutter und lässt sich immer wieder von ihrem schnell durchschaubaren Freund Hugh umgarnen.
Und auch Michael ist nicht der fehlerlose Held, den man so oft in Geschichten findet. Er hat die dreiundzwanzig Jahre nicht getrauert, sondern sein Leben gelebt und auch öfters sein Bett geteilt.
Allerdings hätte Patterson auch ein wenig mehr an den anderen Nebenfiguren arbeiten können wie Janes Mutter oder ihrem Freund Hugh, die man immer nur in den gleichen Szenen vorfand: Vivienne (Mutter) regt sich über Janes Unfähigkeit auf und Hugh versucht sie dazu zu bewegen ihr eine Rolle in einem Film zu geben.

Den Punkt des imaginären Freundes hätte ich mir gerne noch ein wenig ausgebaut gewünscht, denn später kann jeder Michael sehen und es entwickelt sich mehr zu einer Geschichte zwischen zwei normalen Liebenden, was mich von der Art der Erzählung an 'Bridget Jones' erinnert hat.
Allerdings greift das Ende wieder die Thematik des eigentlich übermenschlichen Michaels auf, der nicht zu den Menschen gehört, was mir gut gefallen hat.

Der Schreibstil des Autors ist kein Wunderwerk der Schreibkunst. Patterson hat eine sehr alltagsnahe und unverblümte Wortwahl, was dem Roman nicht schadet, sondern ihm an manchen Stellen noch mehr Glaubwürdigkeit verleiht.

Alles in Einem ist 'Sonntags bei Tiffany' ein süßer Roman, der sich gut für zwischendurch eignet. Das Thema ist wunderschön gewählt und hätte, wenn man es gewollt hätte, zu einem 5oo Seiten Roman wachsen können. Doch Patterson hat eine kleine Geschichte geschaffen, die einen zum Schmunzeln und auch Weinen bringen kann.
Von mir gibt es dafür drei durchschnittliche Bücherstapel.




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