●Erster Satz●
"Ich würde gerne ein Buch schreiben, in dem du und ich die Hauptfiguren sind", sagte ich zu Tomomi Ishikawa und schob gedankenverloren die Sachen auf dem Tisch zurecht.
 
●Inhalt●
Tomomi Ishikawa ist tot. Sie hat sich umgebracht, so steht es in dem Abschiedsbrief an ihren Freund Ben Constable. Doch Tomomi weigert sich hartnäckig, in Frieden zu ruhen. Stattdessen hinterlässt sie Ben rätselhafte Botschaften, die ihn ähnlich wie bei einer Schnitzeljagd, durch Paris, New York und Tomomis Vergangenheit führen. Ben würde gerne glauben, dass es sich bloß um ein Spiel handelt, dass die Geschichten, die Tomomi ihm hinterlassen hat, nur Ausgeburt ihrer Fantasie sind, doch dann offenbaren sie ihm ein grausames Geheimnis. Bald weiß Ben nicht mehr, was Fiktion und was Realität ist.

●Meine Meinung●
Von Die drei Leben der Tomomi Ishikawa hatte ich mir wirklich sehr viel versprochen. Der Klappentext hat schließlich große Erwartungen in mir geweckt, weil er von Geheimnissen, angeblich Toten und der Verschmelzung von Realität und Fiktion sprach. Ich erwartete also, dass mich die Geschichte mitreißen und selbst auf eine verwirrende Reise mitnehmen würde.
 
Allerdings wurde ich ein wenig enttäuscht.
Am Anfang des Buches erschien mir Ben wie ein Dummkopf. Er ließ sich von einer Toten einfach herumschieben wie eine Spielfigur und hat auch nicht oft hinterfragt, warum er überhaupt auf diese "Schnitzeljagd" gehen soll. Er hat es einfach getan. Des Weiteren hat er überhaupt nicht nach Tomomis Leiche gesucht oder ist in Panik geraten, weil seine Freundin sich umbringen wollte. Es schien ihm schon fast egal zu sein.

Viel mehr hat der Autor sich damit befasst, Ben durch Paris zu schicken und einen Straßennamen nach dem anderen aneinander zu reihen. Persönlich habe ich nichts gegen genaue örtliche Beschreibungen, aber eigentlich tun die ganzen Straßennamen nichts zur Sache und erleichterten das Verständis von Bens Weg nicht, sondern brachten mich nur durcheinander, weil ich mit den ganzen "Rues" nichts anfangen kann. Das kann wahrscheinlich niemand, es sei denn man wohnt in Paris.
 
Richtige Spannung kam erst nach der Hälfte des Buches auf. Ein Mädchen namens Beatrice gesellte sich zu Ben und lockerte die Atmosphäre auf. Ben war nämlich bisher nur den Briefen und Eintragungen im Laptop von Tomomi gefolgt und hat die Einträge in ihren Notizbüchern zitiert. Auf die Geheimnisse, die sich darin offenbarten, reagierte Ben meist kaum. Beatrice brachte endlich Menschlichkeit in die Geschichte.
 
Die Schatzsuche an sich gestaltete sich mir persönlich zu einfach. Ben schien kaum über die Rätsel nachzudenken, sondern wusste immer augenblicklich deren Lösung. Außerdem grub er andauernd Löcher mit einem Edelstahlkulli!

Der Weg, den Tomomi für Ben vorgesehen hatte, kam mir auch sehr unlogisch vor. Es war kein roter Faden zwischen ihren Notizbüchern und den darin enthaltenden Taten zu erkennen.
 
Der auf der Rückseite des Buches angepriesene Aspekt der imaginären Katze fand ich im Buch nicht gut eingebaut. Cat, der imaginäre Kater, hatte keine richtige Aufgabe in dem Buch, außer sporadisch aufzutauchen und sich mal neben Ben zu setzen oder verdächtigen Personen hinter zu schauen. Er war meiner Meinung nach eine hübsche Idee, jedoch überflüssig für den Verlauf der Geschichte.
 
Der allerdings am enttäuschendste Punkt war die angebliche Verschmelzung von Fiktion und Realität, denn ich empfand an kaum einer Stelle im Buch, dass man sich nun unsicher sein musste, ob dies der Wahrheit entspricht oder doch nur Fiktion ist. 
Das einzige, was das ganze Buch über Verwirrung stiftet ist, dass der Autor Ben Constable ebenfalls eine der Hauptfiguren ist und auch im Laufe der Geschichte immer wieder erwähnt wird, dass er ein Buch über sich und Tomomi schreiben möchte. Ob die gesamte Geschichte nun wirklich passiert ist, oder doch eine Fiktion ist, bleibt offen.
 
Aber Die drei Leben der Tomomi Ishikawa hatte auch gute Augenblicke. Das Ende war wirklich sehr spannend, sodass man es nicht mehr aus der Hand legen konnte. Ebenso hat man gerne die Notizbücher von Ishikawa gelesen.
Der Schreibstil von Constable ist leicht zu verstehen und hat dennoch einen poetischen Touch. Es gelingt Ben Constable auch sehr gut, die verschiedenen Charaktere herauszustellen und jeden für sich einzigartig wirken zu lassen.
 
Alles in Einem hat mich das Buch mehr enttäuscht als überrascht. Deswegen kann ich ihm auch leider nur zwei Bücherstapel geben.



2 buchtastische Nachrichten

  1. Liebe Elli,
    tolle Rezi! Dieses Buch liegt schon auf meinem SUB. Jetzt freue ich mich noch mehr es zu lesen!! LG Cornelia

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke, Cornelia!
      Ich freue mich schon auf deine Rezi dazu, da die Meinungen zu diesem Buch sehr weit auseinander gehen. Die Einen finden es herausragend, die anderen finden es nicht so gut. Ich bin gespannt, wie du es findest! (:

      Löschen

Danke für jede buchtastische Nachricht! ♥