Damit die einen überleben, müssen die anderen sterben.

Erster Satz
Die Anwälte waren schockiert über mein Benehmen.

●Inhalt●
In einem überfüllten Rettungsboot führen die Überlebenden eines Schiffsunglücks einen schier aussichtslosen Kampf gegen Sturm, Hitze und Durst. Je länger das Warten auf Hilfe dauert, desto erbitteter wird darum gerungen, wer an Bord die Befehle geben darf. Und wer das Boot verlassen muss.
Die junge Grace Winter gerät zwischen die Fronten. Und sie weiß: Die falsche Entscheidung bedeutet ihren Tod.

●Meine Meinung●

Grace Winter ist frisch verheiratet mit Henry Winter, als die beiden durch ein Schiffsunglück wieder getrennt werden. Henry ist ein wohlhabender Mann und erkauft seiner Gattin dadurch einen Platz in einem der Rettungsboote.

Nach ihrer Rettung wird Grace wegen Mordes angeklagt und bekommt daher den Auftrag von ihrem Anwalt Mr Reichmann alles, was auf dem Boot geschehen ist niederzuschreiben, damit er eine Basis für den Prozess hat.

Deswegen beginnt die Geschichte auch sofort auf dem Rettungsboot und nicht erst beim Untergang der Zarin Alexandra. Diesen Umstand fand ich sehr schade, weil dieses Ereignis dadurch kaum zu sprechen kam. Grace erwähnte es zwar immer mal wieder am Rande ihrer Aufzeichnungen, weil sie etwas über Henry schrieb, aber die Spannung, die ich mit dem Untergang eines Ozeanriesen verbinde, blieb aus.

Die Szenen im Rettungsboot, auf die ich mich auch am meisten gefreut hatte, waren wirklich sehr gut beschrieben und realistisch erzählt. Die Verzweiflung der Leute, vor allem der Frauen, deren Kinder einfach aus ihren Armen gerissen worden waren und deren Männer nicht in die Rettungsboote steigen durften, weil es heißt Frauen und Kinder zuerst! wurde sehr deutlich.
Grace hingegen kam mir eher wie eine gefühlskalte Puppe vor, die kaum einen Gedanken an ihren frisch angetrauten Ehemann verlor, der ihr soeben noch das Leben gerettet hatte.

In dem Boot befanden sich fast vierzig Menschen und einer davon war Mr Hardie, der zu der Mannschaft der Zarin Alexandra gehört hatte. Er übernahm sofort die Führung und gab Befehle.
Als das Rettungsboot an einem kleinen Kind vorbeikam, das sich an ein Holzstück klammerte, kam die erste Situation auf, wo man am Ende nicht wusste, wie man selbst reagiert hätte.
Die Passagiere wollten das Kind retten, doch Hardie sagte nur, dass sie es retten könnten, wenn jemand seinen Platz mit ihm tausche. Doch niemand meldete sich, und so blieb es alleine im Meer zurück.
Wie würde man selbst in so einer Situation handeln? Würde ich selbst meinen Platz aufgeben, um das Leben eines Kindes zu retten? Oder das eines anderen Menschen?
Diese Fragen haben mich immer wieder während des Lesens beschäftigt, da auch im späteren Verlauf der Geschichte immer wieder Menschen ihr Leben lassen müssen, damit die anderen überleben können.

Aber eine noch größere Frage, die sich mir gestellt hat war, ob ich bereit dazu wäre, jemanden einfach aus dem Boot zu stoßen und ihn damit zu töten?
Es schien so, als hätten manche der Geretteten damit überhaupt kein Problem gehabt. Aber Grace stellte sich auch immer wieder diese Frage und das machte sie für mich menschlicher als alle anderen in dem Boot, die entweder den Verstand verloren oder nur noch an ihr eigenes Überleben dachten.

Nachdem der Mord, wegen dem Grace und zwei weitere Frauen später angeklagt werden, geschehen war, gab es einen radikalen Schnitt. Plötzlich ging die Geschichte mit dem Prozess weiter und den Anhörungen, obwohl man noch gar nichts von der Rettung gelesen hatte, auf die ich persönlich sehr gespannt war.
Die zentrale Frage der Gerichtsverhandlung war, ob man in dieser Situation, in der sich Grace befand, jemanden töten durfte, um das eigene Überleben zu sichern.
Daher waren die Verhandlungen wirklich interessant und auch spannend beschrieben.

Als es dann zur eigentlichen Rettung kam, war ich ziemlich enttäuscht, weil sie einfach sehr unspektakulär beschrieben wurde.

Das Schiffsunglück geschah wenige Tage vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges, also im Jahr 1914. Obwohl die Autorin eine so spannende Zeit gewählt hat, um diese Geschichte zu erzählen, ist sie kaum auf die historischen Ereignisse eingegangen. Gerade dieser Aspekt hätte für mich die doch wirklich langweilige Rettung wieder gut gemacht.
Durch diesen Punkt und dem der anfänglich wirklich unverständlich gefühlskalten Grace, gebe ich In einem Boot vier Bücherstapel, da es mich sonst mitgerissen hat, ich es kaum aus der Hand legen konnte und mir das Cover sehr gut gefällt.



2 buchtastische Nachrichten

  1. Oh mein Gott, das hört sich wirklich wahnsinnig toll an! Ich war ja schon lange auf der Suche nach so einem Buch, da ich die Frage, ob man sein eigenes Leben aufgaben würde für das Leben eines anderen, sehr interessant finde und da ich beim Nachdenken oft an meine Grenzen stoße. Danke für diesen buchtastischen Tipp ;) LG

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    1. Danke für dein buchtastisches Kommentar! :)

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Danke für jede buchtastische Nachricht! ♥