"66. Bei der Entstehung von Schwarzen Löchern kommt es zu riesigen Gammastrahlexplosionen, die ganze Galaxien blenden und Millionen von Welten auslöschen. Du könntest in jeder Sekunde verschwunden sein. In dieser. Oder in dieser. Oder in dieser. Versuch so oft es geht, etwas zu tun, wobei du glücklich sterben würdest."
[S. 329]

Hallo, Mensch.

In einer regnerischen Freitagnacht wandert Andrew Martin, Professor für Mathematik in Cambridge, nackt eine Autobahn entlang. Professor Martin ist nicht mehr er selbst. Ein Wesen überlegener Intelligenz und von einem weit entfernten Stern hat von ihm Besitz ergriffen. Dieser neue Andrew hält nicht viel von den Menschen, jeder weiß schließlich, dass sie zu Egoismus, übermäßigem Ehrgeiz und Gewalttätigkeit neigen.
Doch andererseits: Kann eine Lebensform, die Dinge wie Weißwein und Erdnussbutter erfunden hat, wirklich grundschlecht und böse sein? Und was sind das für seltsame Gefühle, die ihn überkommen, wenn er Debussy hört oder Isobel in die Augen blickt?

Ich und die Menschen war eines meiner Must-Haves für den April. Ich hatte also große Erwartungen an das Buch - vor allem, weil ich bisher nur gutes darüber gehört hatte. 

Die Idee, das ein Außerirdischer etwas über unsere Welt erzählt ist an sich nicht neu. Allerdings hat Matt Haig es auf eine ganz andere Weise getan. Niveauvoll, witzig und doch sehr tiefgründig. 
Die Geschichte beginnt eher als Bericht, in dem unser namenloser Protagonist, über unsere Welt und seine ersten Eindrücke schreibt.
Schon auf den ersten Seiten hatte der Autor mich mit seiner Erzählweise gefangen genommen und ich wollte immer mehr über den Nicht-Andrew-Martin erfahren und ob er seiner Aufgabe, mit der er von seinem Heimatplanten betraut wurde, gerecht werden kann. 

Die Szenen, in denen der Außerirdische also unsere Welt erkundet wurden sehr humorvoll dargestellt und doch fehlte nirgendwo das Niveau. 
Es war sehr beeindruckend zu lesen, wie Matt Haig unsere Welt sieht und wie weit er sich als Mensch vom Menschsein entfernen kann, um darüber so objektiv zu urteilen. Er zeigt uns die Schattenseiten und lässt uns trotzdem doch nicht ganz schlecht dastehen. 

Die Rolle, die der Protagonist einnimmt, ist die des Professors Andrew Martin, der die Riemannsche Vermutung bewiesen hat - das bedeutendste ungelöste Rätsel der Mathematik. Sollte die Menschheit es tatsächlich jemals schaffen, diese Theorie des deutschen Riemann zu beweisen, könnten wir in Lichtjahre entfernte Galaxien reisen, die Formel herausfinden wie wir unsterblich werden können und unsere Autos könnten selbst denken. Es hängt also ziemlich viel an dieser einen mathemathischen Formel, die in echt bisher niemand beweisen konnte.

Allgemein war das Wissen von Haig sehr tiefgründig über diese Dinge und es war verblüffend wie einfach und doch komplex es uns Lesern weitergeben konnte.



Viel mehr mag ich gar nicht zum Verlauf der Geschichte sagen, da ich sonst anfangen würde zu spoilern. Aber es ging Haig gar nicht so sehr um das, was in der Geschichte passieren soll, sondern viel mehr darum, was er uns Lesern mit seinen Worten über unsere Welt mit auf den Weg geben konnte. Und das war sehr viel. Das Buch ist eher ein philosophischer Roman, der zum Nachdenken anregen soll und mit dem man sich auch auseinandersetzen muss. Wenn man die letzte Seite umblättert, stellt man diesen Roman nicht einfach wieder ins Regal und findet sich mit dem ab, was man dort gerade gelesen hat. 
Es ist ein Buch, an das man denkt, wenn man in tiefster Nacht draußen sitzt und in die Sterne guckt, denn eines vermittelt die Geschichte auf ganz logisch erklärte Weise - Wir sind nicht allein.

Mir hat Ich und die Menschen sehr gut gefallen. Es ist ein Buch mit Anspruch, das Leute, die Bücher nur wegen spannenden Actionszenen lesen, lieber nicht anfassen sollten. Man muss sich auf die Geschichte einlassen.
Das einzige, was ich dazu noch sagen kann, ist, dass ich hoffe, dass niemals jemand die Riemannsche Vermutung beweist, denn das wäre, denke ich, unser Ende. Der menschliche Geist könnte das alles überhaupt nicht fassen. Wir sind noch nicht weit genug.


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