Ich hoffe, ihr seid bereit, denn ich will euch die Geschichte meines Lebens erzählen. Genauer gesagt, warum mein Leben ein Ende fand. Und wenn ihr diese Kassetten hört, dann seid ihr einer der Gründe dafür.
[S. 11]

"Sir?", wiederholt sie.

Als Clay nach der Schule nach Hause kommt findet er ein Päckchen mit Kassetten vor. Er legt die erste in einen alten Kassettenrekorder, drückt auf Play - und hört die Stimme von Hannah Baker. Hannah, seine ehemalige Mitschülerin. Hannah, für die er heimlich schwärmte. Hannah, die sich vor zwei Wochen umgebracht hat. Mit ihrer Stimme im Ohr wandert Clay durch die Nacht und was er hört, lässt ihm den Atem stocken. 13 Gründe haben zu ihrem Selbstmord geführt, 13 Personen hatten ihren Anteil daran. Clay ist einer davon...

Dieses Buch wanderte vor Jahren Mal in meine Hände, aber damals las ich mir nur den Rückentext durch und dachte, dass es ganz interessant klinge, aber mehr auch nicht. Das Cover versprach einen Thriller und danach war mir damals überhaupt nicht zumute.
Jetzt - einige Jahre später - habe ich es mir selbst gekauft und bin sehr froh über diese Anschaffung, denn Tote Mädchen lügen nicht hat mich nicht enttäuscht!

Clay, der Junge, der von allen als nett und sympathisch empfunden wird, erhält zwei Wochen nachdem sich seine Mitschülerin Hannah Baker das Leben genommen hat, eine Kiste mit Kassetten. Er spielt sie ab und erfährt von Hannah persönlich - live und in stereo - die 13 Gründe, warum sie sich umgebracht hat.
Und er sei einer von ihnen.

Die Idee, die hinter dieser Geschichte steckt gefällt mir sehr. Dieser Thriller schafft es Spannung ohne Actionszenen, Verfolgungsjagden oder Spurensuche aufzubauen, denn Hannah macht aus ihrem Selbstmord und dessen Gründe keine Schnitzeljagd oder hinterlässt Rätsel, die gelöst werden müssen. Nein, sie erzählt ihre Geschichte auf 7 Kassetten und das einzige, was Clay zu tun hat, ist Hannah zu lauschen und ihrem Stadtplan zu folgen, dem sie jeder der Personen, die auf den Kassetten eine Rolle spielen hat zukommen lassen.

Anfangs hatte ich immer mal wieder ein wenig Gänsehaut, wenn ich daran denken musste, dass dieses Mädchen, dessen Stimme Clay im Ohr hat, tot ist. Er schaut ihr nicht in die Augen oder hat die Chance Fragen zu stellen. Das einzige was er tun kann ist, ihr zuzuhören. Dieses beängstigende Gefühl verschwand dann mit der Zeit.
Während des Lesens wurde mir das nie wirklich deutlich, aber wenn ich mir nun vorstelle, alleine nachts durch einen Ort zu laufen, nur die Stimme eines toten Mädchens im Ohr, das mich persönlich anspricht, dann läuft es mir eiskalt den Rücken runter.



Die ersten Gründe, die Hannah anführt, weshalb sie sich das Leben genommen hat, habe ich persönlich nicht wirklich verstanden. Es gibt Menschen, die weitaus schlimmere Dinge durchgestanden haben und sich nicht umgebracht haben. Aber umso mehr die Lawine ins Rollen kam und umso weiter die Geschichte voranschritt, desto besser konnte ich Hannah verstehen. Vor allem, weil sie keineswegs jemand war, der seine Selbstmordgedanken verheimlicht hat. Es gab Zeichen. Sie sagte es sogar jemandem direkt ins Gesicht.
Und doch half niemand.

Diesen Apsekt fand ich von Asher gut getroffen. Wie würden wir uns verhalten, wenn jemand aus unserer Klasse oder unserem Umfeld uns sagen würde, dass er sich umbringen will? Würden wir es als alberne Bemerkung abtun? Uns einfach nur Gedanken machen? Wie würden wir eingreifen wollen?
Die Aussage Ihr hättet ja helfen können ist leicht getroffen, denn wie hilft man in so einer Situation überhaupt richtig?

Der erste Schritt solchen Menschen zu helfen ist wohl über sein eigenes Handels nachzudenken, damit manche Dinge, die soetwas ins Rollen bringen gar nicht erst geschehen. Bei Hannah Baker war es eine einfache Liste. Listen, wie jeder sie von uns kennt, die mal in der Schule rumgehen.
Kleine Dinge des Alltags können großes auslösen. Wie bei Hannah.

Jay Asher gibt mit seinem Buch also einen Anstoß zum Nachdenken, was ich bei einem Thema wie diesem wichtig finde. Er hat Tote Mädchen lügen nicht nicht nur zur Unterhaltung geschrieben, sondern zum Nachfragen. Das wird an manchen Stellen mehr als deutlich.

Trotzdem unterhält dieses Buch hervorragend. Ich konnte es nicht aus der Hand legen und empfehle es allen Thriller-Freunden unter euch weiter. Jeder, der spannende Geschichten mag, wird dieses Buch wohl lieben.
Vor allem Hannah ist eine begnadete Erzählerin. Zum Anfang haben mich Clays gedankliche Unterbrechnungen gestört, da er immer wieder die Erzählung unterbrach, aber dadurch wird es im Laufe der Zeit noch realistischer, da man selbst beim Zuhören noch weiter nachdenkt. Sei es auch über völlig belanglose Dinge.

Der einzige Punkt, der mich gestört hat, war, dass ich gerne etwas mehr über Clay erfahren hätte. Wir durchstreifen mit ihm die Nacht, aber viel wissen wir trotzdem nicht über ihn. Das Anhören der Kassetten hätte sich für mich also ruhig zwei Tage hinziehen können, damit wir auch die Welt um Clay herum kennen lernen und etwas mehr aus seiner Sicht erfahren.

Zusammenfassend ist also zu sagen, dass es ein tolles Buch ist, das man selbst nach der letzten Seite nicht einfach zurück ins Regal stellen kann. Es regt zum Nachdenken an und hinterlässt eine Gänsehaut.


2 buchtastische Nachrichten

  1. Toll, dass du wieder Zeit dazu gefunden hast. Hab mich gefreut, als ich deine neue Rezi gesehen habe! (:

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Danke für jede buchtastische Nachricht! ♥