Ich sage dir, dass  es mir gefällt, dir so nah zu sein und dich an mir zu spüren. Aber jetzt zögere selbst ich. Ich habe Angst, dass alles vorbei sein wird, wenn wir den Erdboden erreichen. Dass wir landen und dieses Gefühl zwischen uns nicht mehr da ist. Dass du es nicht länger spürst. Den Gedanken daran kann ich nicht ertragen.
[S. 293]

Julie Seagle starrte das Gebäude vor sich an und schwor, nie wieder eine Wohnung über Craigslist zu mieten.

Julie kann es nicht fassen: Statt die ersten Tage am College zu genießen, beaufsichtigt sie plötzlich eine 13-Jährige, die keinen Schritt ohne die lebensgroße Pappfigur ihres Bruders Finn unternimmt. Zugegeben, ihres sehr gut aussehenden Bruders Finn. Der befindet sich zwar gerade auf Weltreise, schreibt aber E-Mails, die Julies Knie butterweich werden lassen. Doch wieso zögert er seine Rückkehr immer weiter hinaus? Weshalb stört sich niemand an seinem platt gedrückten Doppelgänger? Und verliebt Julie sich tatsächlich gerade in eine Pappfigur?

Allein der Titel dieses Buches verleitet schon zum Kauf oder zumindest erstmal zum Stehenbleiben - Im freien Fall oder wie ich mich in eine Pappfigur verliebte.
Das erste was man dann denkt, ist, dass dort sicherlich eine sehr witzige Geschichte hintersteckt, die vielleicht einen originellen Titel hat, aber bestimmt keine allzu neue Handlung. Aber wer das denkt, der sollte sich von dem Gegenteil überzeugen lassen und dieses Buch lesen. 

Anfangs hatte ich genau die gleiche Einstellung - guter Titel, aber sicherlich keine neue Story. Aber ich musste schnell einsehen, dass ich damit falsch lag. 
Julie hat gerade ihren Highschoolabschluss gemacht und freut sich nun auf ihr Studium. Leider fällt sie auf einen Betrüger rein, was ihre erste Wohnung angeht und landet damit bei den Watkins', die auf den ersten Blick wie eine ganz normale Familie wirken, aber da Julie nun länger dort wohnt schaut sie hinter die Fassade und muss schreckliches erkennen. 

Papp-Finn, so denkt man, spielt eine große Rolle in dem Buch, aber letztendlich hat er nicht die Rolle erfüllt, die ich mir für ihn vorgestellt hatte, als ich den Titel las. Auf den ersten hundert Seiten habe ich öfter lachen müssen und fand die Geschichte auch wirklich niedlich und die Idee mit Papp-Finn erheiternd. Doch umso mehr die Handlung voranschritt verschwand mein Lächeln, denn dieses Buch ist keinesfalls so humoristisch angelegt wie man denkt. 
Die Watkins haben tiefgreifende Probleme, die Julie zu beheben versucht und nebenbei hat sie dann noch regen E-Mail-Kontakt mit dem echten Finn, der jedoch auch so einige Geheimnisse zu haben scheint. 

Diese ganzen kleinen oder größeren Geheimnisse der einzelnen Charaktere fand ich sehr gut untergebracht. Die Autorin hat immer mal wieder kleine Hinweise gestreut, aber nie so viele, dass man sich wirklich sicher sein konnte zu wissen, was jetzt Sache sei. Vermutungen hatte ich also die ganze Geschichte über und mit jeder Seite, die ich weiterschlug dachte ich Ja, genau so muss es sein und dann keine zehn Seiten weiter habe ich alles wieder über Bord geworfen, weil es sich doch irgendwie nicht ins Puzzle fügen wollte.



Allerdings würde ich bei Im freien Fall oder wie ich mich in eine Pappfigur verliebte nicht von einem Buch voller Action und Spannung sprechen. Es ist eine Geschichte über Familie und Freundschaft, in der es manchmal auch zu poetischen Szenen kommt. Wer also lieber actiongeladene Kampfszenen oder Verfolgungsjagden mag, der sollte sich von diesem Buch fernhalten. 

Das Einzige, was mich wirklich gestört hat war das Ende. Noch ganz gefesselt blätterte ich eine Seite weiter, weil ich dachte, es sei nur das Kapitelende und nun würde mich noch ein letztes erwarten oder wenigstens ein Epilog, aber dort fand ich nur die Danksagung. Es war also vorbei. Und das frustrierte mich schon ein wenig. Jessica Park hätte ruhig noch ein paar Seiten mehr schreiben können. 

Doch ansonsten ist das Buch sehr gelungen und lässt sich kaum aus der Hand legen, wenn man sich erst in die Geschichte hineingefunden hat. Es übertrifft meine Erwartungen und warf mich am Ende dann ins eiskalte Wasser. Auf jeden Fall lesen!


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