"Wie spät ist es?"
Sie verdrehte die Augen. "Das ist alles, was du immer wissen willst."
"Na ja, wenn Sie an meiner Stelle wären, dann stünde das auch ganz oben auf der Liste der Dinge, die Sie unbedingt wissen müssen."
[S. 199]

Ich bin eine Lügnerin. 

Die 18-jährige Sabine lebt in zwei Parallelwelten - 24 Stunden in der einen und 24 Stunden in der anderen. Es sind zwei Leben, die unterschiedlicher nicht sein könnten: In Roxbury ist sie die Außenseiterin, das Punk-Girl. In Wellesley dagegen die Highschool-Königin mit dem scheinbar perfekten Leben. Ein fataler Irrtum, wie Sabine noch herausfinden wird.
Als sie in Roxbury Ethan kennen lernt und sich in ihn verliebt, scheint sich alles zum Guten zu wenden. Doch ein tragisches Ereignis ändert auf einmal alles...

In Ein Tag, zwei Leben lebt Sabine - unsere Protagonistin - in zwei völlig unterschiedlichen Welten. Sie erlebt jeden Tag zweimal. Einmal in Roxbury, wo sie eine Rebellin ist und einmal in Wellesley, wo sie zu den beliebtesten Schülern der Schule gehört und sich allen Dingen anpasst. 

Die Idee hinter Sabines Geschichte finde ich sehr gut. Manchmal hätte ich mir nur mehr Überschneidungen der Welten gewünscht wie es am Anfang mit dem Auftauchen des Obsthändlers in beiden Welten der Fall war. 
Außerdem hat mir der tiefere Sinn der Wechsel gefehlt. Sabine scheint damit komplett alleine zu sein, fragt sich aber auch nicht mehr nach dem Warum, sondern nimmt es einfach hin. Man hätte also noch mehr aus dem Aspekt des Wechsels herausholen können. 

Die schon im Klappentext angekündigte Liebesgeschichte zwischen Sabine und Ethan fand ich wiederum gut erzählt. Es war nicht allzu kitschig und brachte zum Ende hin richtig Nervenkitzel in die Story. 
Diese Liebesgeschichte und Sabines Leben lehren uns, dass es im Leben immer eine zweite Chance gibt, auch wenn alles verloren scheint. Selbst wenn niemand von uns die Möglichkeit hat, zwischen zwei Leben zu switchen, können wir doch sicher sein, dass auch auf der dunkelsten Straße wieder eine Abzweigung kommen wird, die uns in gute Zeiten führt. Wir müssen nur stark sein und kämpfen.
Diesen Gedanken hat die Autorin wundervoll vermittelt.

Die Charaktergestaltung erwies sich da wohl durchaus schwieriger. Obwohl die Autorin gute Ansätze hatte, hat sie es dennoch nicht geschafft, Sabine in den Parallelwelten unterschiedlich wirken zu lassen. Mir kam es so vor, als ob Sabine zwar immer je nach Welt ein anderes Äußeres hätte, aber nie wirklich eine charakterliche Veränderung durchgemacht hat. Da hätte ich mir mehr Gegensätzlichkeit gewünscht. 
Was mir ebenfalls nicht gefiel war Sabines Name. Alle Charaktere haben amerikanische Namen bekommen. Außer Sabine. Und zu so einer eher fantastischen Geschichte passt der Name leider überhaupt nicht. 

Der Einzige, der neben Sabine noch Aufmerksamkeit bekommen hat und ein wenig mehr als alle anderen Nebenrollen beschrieben wurde war Ethan. Aber selbst er konnte den Status eines Nebencharakters nicht abschütteln.
Die restlichen Figuren blieben in beiden Welten flach, obwohl ich mir mehr Beschreibungen erhofft hatte, um noch mehr in die verschiedenen Welten einzutauchen. Es hätte ihre Gegensätzlichkeit mehr herauskristalliesiert.



Die Story, die sich um die Grundidee entwickelt hatte war wirklich spannend und es passierten immer wieder Dinge mit denen man nicht gerechnet hätte. Die Geschichte wurde nicht durch langatmige Erzählungen in die Länge gezogen, sondern konzentrierte sich auf die wesentlichen Momente.

Als das Ende dann nahte habe ich mir noch mehr Seiten gewünscht. Alles davor fühlte sich wie eine Vorgeschichte an und plötzlich sollte Sabines Leben beginnen und der Leser wieder ausgeschlossen werden. Ich hätte so gerne mehr gelesen, weil mich das Ende so gepackt und mit einem warmen Kribbeln zurückgelassen hat. 

Ein Tag, zwei Leben ist eine schöne Geschichte, die sich auch zwischendurch in der Bahn lesen lässt. Aber Vorsicht: Bei den spannenden Stellen nicht die Haltestelle verpassen! 
Doch leider kann ich dem Buch trotzdem nur 3 Blumen geben, da die Autorin mir zu sehr an der Oberfläche gekratzt hat was die Charaktere und das Grundgerüst der Geschichte angeht. Daraus hätte man noch mehr machen können!


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