Meine Aufsatzlehrerin hat gesagt, ein Komma heißt Zeit für eine Pause. Ich mache dauernd Pausen beim Reden, ob ich will oder nicht. Riesenpausen. Ich schreibe lieber eine Trillion Mal und als ein Komma zu viel.
[S. 9]

Ich habe einen guten Grund, über die Messersache zu schreiben.

Victor ist der beste Werfer von ganz Memphis. Nicht nur beim Baseball. Jede Zeitung, die er austrägt, landet perfekt auf der Veranda. Doch wenn Victor an Freitag denkt, wird ihm mulmig zu Mute. Dann muss er das Geld bei den Abonnenten einsammeln. Und das, wo er so sehr stottert, dass er kaum zwei Wörter hintereinander herausbringt.

Victor, ein elfjähriger Junge aus Memphis, ist eine der besten Werfer. Als sein Freund Arthur in den Sommerferien auf die Farm seiner Großeltern reist, bittet er Victor darum, seinen Job als Zeitungsjunge in dieser Zeit weiterzuführen. Das bedeutet für Victor vier Wochen Zeitungen vor die Haustüren der Nachbarn werfen und genau das liebt er. Doch Freitags muss er die 95 Cent von allen Haushalten abholen und nicht jeder bringt Victors Sprachfehler so viel Verständnis entgegen. 
Doch vier Leute haben in diesem Sommer einen großen Einfluss auf den kleinen Victor. Mr Spiro, Mrs Worthington, Mam - die Haushälterin - und der Fernsehjunge, der nie das Haus zu verlassen scheint. 

Die Geschichte ist aus Victors Perspektive geschrieben und so aufgebaut als hätte er sie selbst an der Schreibmaschine getippt. Der Schreibstil ähnelt daher dem eines Kindes, was aber überhaupt nicht störend war. Dadurch konnte ich mich noch mehr in Victor und seine Gedanken hineinversetzen. Zum Beispiel nannte er die Erwachsenen kaum bei diesem Wort, sondern immer nur 'die Großen'. 
Im gesamten Werk gibt es keine wörtliche Rede wie wir sie kennen - also " und ". Das Gesagte schreibt Victor einfach hintereinander weg, ohne es von seinen eigentlichen Gedanken zu trennen. Nur ein Absatz und ein Leerzeichen helfen dem Leser das Gesprochene und Gedachte auseinander zu halten. 
Erstaunlicher Weise hatte ich gar keine Probleme damit und finde den Aufbau daher klasse. Es wirkt einfach sehr authentisch und lässt sich flüssig lesen.


Der kleine Junge aus dem Jahre 1959 wächst einem während der Geschichte ans Herz. Er hat einen starken Charakter und hinterfragt die Welt um sich herum. Er stellte Fragen, die auf sein Alter passen wie zum Beispiel: Warum stottere ich, aber die anderen Kinder nicht? Es sind einfache Fragen und doch wissen die meisten Erwachsenen keine zufriedenstellende Antwort darauf. Victor ist ein stotternder Dichter, so sagt es Mr Spiro und ich kann dem nur zustimmen. Ein toller Protagonist für eine Geschichte mit einem ernsten Thema. 

Doch nicht nur das Stottern wird thematisiert, sondern auch die Trennung von Schwarzen und Weißen, was in Amerika zu dieser Zeit eine große Rolle spielte. Victors Kindermädchen Mam ist schwarz und so wird Victor in seinem Alltag oft mit Dingen konfrontiert, die er nicht versteht. Mam muss im Bus immer hinten sitzen und sie darf den Zoo nur in Gegenwart eines Weißen besuchen. Victor hinterfragt diese Dinge und regt dadurch sehr zum Nachdenken an.

Ich konnte dieses Buch nicht aus der Hand legen und würde es jedem empfehlen. Eine mitreißende Geschichte über einen kleinen Jungen, der sich selbst findet und dich mitnimmt in einen heißen Sommer 1959, in dem Freundschaft vieles verändern kann.


2 buchtastische Nachrichten

  1. Hallöchen :) bin durch Instagram gerade auf deinen Blog aufmerksam geworden. Gefällt mir unglaublich gut. Werde jetzt öfters vorbeischauen. Und das Buch muss ich mir unbedingt noch näher anschauen, generell den Verlag!

    Liebste Grüße
    Juliana

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    1. Vielen Dank, Juliana! :)
      Das Buch wird dich nicht enttäuschen :D

      Liebe Grüße
      Elli

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Danke für jede buchtastische Nachricht! ♥