"Siehst du, nichts in diesem Leben ist einfach", sagte der Mann. "Dein Bauer wird meinen mit seinem nächsten Zug schlagen, doch mit demselben Zug lieferst du dich meinem Läufer aus. Jede Entscheidung, die wir treffen, hat eine Auswirkung, eine gute oder eine schlechte, auch wenn wir das im Moment noch nicht absehen können."
[S. 1o5]

An jenem Morgen spürte ich, dass er an mich dachte.

Nicola Marter verfügt über eine außergewöhnliche Gabe: Wenn sie einen Gegenstand berührt, kann sie manchmal die Person sehen, der dieser einmal gehört hat. Als die Galerie, in der sie arbeitet, eines Tages eine Holzschnitzerei zugesandt bekommt, sieht sie sofort deren Geschichte. Es handelt sich um einen "Feuervogel", einen mythischen Vogel, der einst Zarin Katharina gehört haben soll und um dessen Geschichte sich ein altes russisches Märchen rankt. 
Nicolas Nachforschungen um die Herkunft des "Feuervogels" führen sie in das Jahr 1715, und auf den Spuren einer Anna Logan gerät sie über Schottland, Frankreich und Russland mitten in eine unglaubliche Geschichte von Liebe und Verlust, Mut und bittere Rache...

Nicola kann durch das Berühren von Gegenständen ihre Geschichte sehen. Wer hat sie berührt? Wer waren diese Personen? Was passierte in diesen Augenblicken der Berührung? 
Als eine Frau in die Galerie kommt, in der sie arbeitet und den Feuervogel schätzen lassen möchte, gerät er Nicola in die Finger und sie sieht die Zarin, die ihn einem kleinen Mädchen übergibt. Und dort beginnt die Geschichte von Nicola, die quer durch Großbritannien reißt, um diesen Vogel noch einmal in die Hand zu nehmen und dort auf ihren alten Freund Rob trifft, der sie auf ihrer Reise begleitet.
Auch Rob hat übernatürliche Fähigkeiten, die meiner Meinung nach desöfteren zu sehr in den Vordergrund gerückt worden waren, obwohl Nicolas Gabe das Hauptaugenmerk sein sollte. 

Rob und Nicola nutzen ihre Fähigkeiten, um in die Vergangenheit zu sehen, wo sie der kleinen Anna Logan begegnen, die noch eine wichtige Rolle spielen soll. Sie reisen ihrem Geist hinterher und sehen somit ihr komplettes Leben vor sich. 
Dadurch wurde die Geschichte in zwei kleinere zerteilt. Annas Geschichte wurde sehr spannend erzählt, sodass ich von ihr nicht genug bekommen konnte, woran wahrscheinlich auch Annas Charakter Schuld ist. Sie hat mich zum Lachen gebracht und trotzdem war ich immer wieder beeindruckt von ihrem Scharfsinn. 
Die Geschichte von Nicola und Rob hingegen verlor umso weiter der Erzählstrang voranschritt immer mehr an Bedeutung, so hatte ich das Gefühl. Die beiden wurden kurzzeitig dazwischen gequetscht und das kam so plötzlich, dass man manchmal ein wenig gebraucht hat, um wieder von Annas Zeit (1715) auf unsere heutige Erzählweise umzuschalten. An manchen Stellen fand der Wechsel auch von einem Satz zum anderen statt, was mich ein bisschen gestört hat. 
Außerdem hatte ich das Gefühl, dass bei Nicola und Rob nie etwas Wichtiges passierte, was zum Fortlauf der Geschichte beigetragen hätte. Aus diesen Gründen habe ich so oft gedacht Wann geht es endlich bei Anna weiter?.



Die Geschichte handelt also hauptsächlich von Anna und nicht von Nicola - wie es der Klappentext eigentlich verspricht -, aber das gefiel mir sehr gut, da Anna eine viel spannendere Geschichte zu erzählen hat. Sie muss schon als kleines Kind Schlimmes durchmachen und doch verliert sie nie den Mut. 
Die Zeit, in der Anna lebt, beeindruckt mich einfach immer wieder aufs Neue und die Art wie Susanna Kearsley über St. Petersburg gesprochen hat, hat diese Stadt märchengleich wirken lassen. 
Die Liebesgeschichte, die Anna erlebt, als sie älter ist, hat mich teilweise an Stolz und Vorurteil von Jane Austen erinnert, was auch einer der Gründe sein kann, weshalb ich mich so in die Erzählung verliebt habe.
Wer das Meisterwerk von Jane Austen liebt wird auch dieses Buch mögen!

Aber mich hat nicht nur die Handlung gefesselt, sondern auch die Dialoge, die nicht wie in vielen Büchern nichtssagend sind, sondern sehr tiefgründig und manchmal auch sehr nachdenklich stimmend. Der Schreibstil hat das Geschehene also noch mehr unterstützt und ließ mich das Buch dann endgültig nicht mehr aus der Hand legen. 
Vor allem die Vergleiche mit dem Leben und dem Spiel Schach, die sich durch das komplette Buch zogen haben mir so sehr gefallen. 

Das einzige, was mir jetzt noch zu sagen bleibt ist, dass dieses Buch nicht die Erwartungen erfüllt, die man hat, wenn man die Klappentext liest. Es übertrifft sie und nimmt dich mit auf eine fantastische Reise ins winterliche Russland 1715, zu einem Mädchen, von dem wir noch viel lernen können.


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