Also zurück zur Ausgangsfrage: Wie entsorgt man sechs Jahre Aufgeschriebenes und zwölf Jahre Freundschaft? Vorhin schien mir das so logisch: die Tagebücher nehmen, zur Spree gehen und eins nach dem anderen darin ertränken. Die Worte wegspülen lassen. Den Arsch vergessen.
[S. 19]

Stille.

Zwölf Jahre lang waren sie die besten Freunde. Haben alles miteinander geteilt, sogar gemeinsam Tagebuch geschrieben. Doch plötzlich will Tim nichts mehr davon wissen und lässt Sophia einfach hängen. Tief enttäuscht beginnt sie mit Leron zu chatten, der sie so viel besser zu verstehen scheint. Aber kann aus einem Online-Flirt echt Liebe werden? Außerdem fehlt ihr Tim mehr, als Sophia zugeben will...

Sophia und Tim sind schon ewig Freunde und führen seit sie 10 Jahre alt sind gemeinsam Tagebuch. Doch eines Tages scheint Tim keine Lust mehr darauf zu haben, was für einen 16jährigen Jungen meiner Meinung nach auch verständlich ist. Sophia kündigt ihm dafür jedoch sofort die Freundschaft und damit nimmt das Drama auch schon seinen Lauf. 

Drama ist für Sophias Verhalten ein gutes Wort. Sie reagiert meiner Meinung nach total über und will sich von Tim keine Erklärung für sein Verhalten geben lassen.
Aus Verzweiflung beginnt sie mit Leron zu chatten, der auf die gleiche Buchreihe wie sie steht. Zusammen beginnen sie Fanfictions zu schreiben, was ein toller Aspekt im ganzen Buch war. Sophia hat alles was sie bewegt hat in kleinen Kurzgeschichten zu ihrer Lieblingsbuchreihe festgehalten und damit ihre Gefühle verarbeitet. Eine wirklich schöne Idee. Aber wie sie Leron teilweise behandelt hat fand ich ziemlich übertrieben. Sie schickte ihm andauernd SMS, obwohl sie sich kaum kannten und war ihm gegenüber schon ein wenig besitzergreifend.
Was es mit diesem Leron auf sich hat war leider schnell zu erahnen, aber es kommt ja nicht immer darauf an was passiert, sondern wie es passiert. Vieles in der Geschichte war vorhersehbar, aber wie es geschieht konnte man trotzdem nicht immer erahnen. 


Tim hingegen ist eher der lockere Part. Er hat Probleme zuhause und viel mit seiner kleinen Schwester Lessa zu tun, die von ihrer Mutter zu Tim und seinem Vater abgeschoben wurde. 

Die Geschichte wurde mal aus seiner Sicht und mal aus der von Sophia erzählt, was den Leser einen guten Einblick in die Gefühlswelten der beiden gab. 
Aber die Story handelt nicht nur von dem Streit um das Beenden des Tagebuchschreibens, sondern auch um Homosexualität - wobei man diesen Part noch viel stärker hätte beleuchten können und er nicht nur als Dramaaspekt hätte herhalten dürfen - und das Problem des Erwachsenwerdens.

Im Allgemeinen hat mir die Geschichte ganz gut gefallen. Sie ist halt ein kleiner Zeitvertreib für zwischendurch. Das Ende kam für mich ein wenig plötzlich und hätte ruhig noch ein paar Seiten länger dauern können. Auch das Potenzial der restlichen Story war noch lange nicht erschöpft. Da es sich um Tagebücher handelt hätte ich auch gerne etwas aus den erwähnten Tagebüchern gelesen, aber es kam kein einziger Eintrag vor, obwohl man damit so schön die Freundschaft der beiden hätte darstellen können und wie sie miteinander aufgewachsen sind. 
Hätte man also noch ein wenig mehr aus dem Buch herausgeholt, hätte ich ihm gern mehr als zwei Blumen gegeben, aber so ist es halt nur ein durchschnittliches Buch, dass man nicht gelesen haben muss.
 


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