Geschichten waren merkwürdig. 
In einem Moment waren sie noch vorbei, im nächsten blätterte man einfach wieder nach vorn und alles begann von Neuem.
[S. 380]

Will rannte.

Während ihres Sommerurlaubs erfährt Amy, dass sie über die Fähigkeit verfügt, in Bücher zu reisen und dort Einfluss auf die Geschichten zu nehmen. Schnell findet Amy Freunde in der Buchwelt: Schir Khan, der Tiger aus dem Dschungelbuch, hat stets wertvolle Ratschläge für sie, während Goethes Werther zwar seinen Liebeskummer in tintenhaltigen Cocktails ertränkt, Amy aber auch ein treuer Freund ist, seit sie ihn vor den Annährungsveruchen der Hexen aus Macbeth gerettet hat. Lediglich die Idee, Oliver Twist Kaugummi zu schenken, war nicht ihre beste...
Doch bald merkt Amy, dass die Buchwelt nicht so friedlich ist, wie sie zunächst scheint. Erst verschwindet Geld aus den Schatzkammern von Ali Baba, dann verletzt sich Elizabeth Bennet auf dem Weg zum Ball mit Mr Darcy, sodass eine der bekanntesten Liebesgeschichten der Weltliteratur im Keim erstickt wird, und Sherlock Holmes wird tot an den Strand gespült. Für Amy ist klar: Sie muss den Störenfried unbedingt stellen!

Der Traum eines jeden Bookaholics ist wohl mal wahrhaftig in seine Lieblingsgeschichten einzutauchen. Mit seinen Helden Seite an Seite zu kämpfen oder einfach nur gemütlich eine Tasse Tee zusammen zu trinken und zu reden. Doch leider wird soetwas immer nur in Geschichten wahr und ebenso in der von Mechthild Gläser Die Buchspringer.

In diesem abenteuerlichen Roman geht es um ein junges Mädchens namens Amy, die zu einer sehr alten Familie von Buchspringern gehört, was ihr die Gabe verleiht in die Geschichten, die sie liest, komplett einzutauchen. Sie lässt also unsere Träume wahr werden und nimmt uns mit in die Literatur, die jeder von uns kennt: Dschungelbuch, Stolz und Vorurteil, Peter Pan, Sherlock Holmes und viele mehr.

Mit Amy begleite uns ein ziemlich durchschnittlicher Charakter durch das Buch. Ich fand ihre Art nicht unsympathisch, aber ich kann nicht sagen, dass sie das Zeug zu einer frischen, einzigartigen Protagonistin hat.
Mit Amys Mutter kam ich hingegen auf gar keinen grünen Zweig. Sie verhielt sich überhaupt nicht wie eine Mutter und ab dem Zeitpunkt, in dem die beiden auf Stormsay waren kam sie mir vor wie ein Teenager, dem die Gefühle der anderen egal wären.


Die Figuren der Autorin haben mich also nicht mitreißen können. Doch die uns bekannten Buchfiguren schon. Vor allem Goethes Werther hat es mir sehr angetan. Er wurde fantastisch getroffen mit seiner melancholischen, gefühlsbetonten Art.
Was ich jedoch schade fand, war, dass die Buchfiguren in ihren Büchern wie Schauspieler auftraten. Das heißt, sie wussten wie die Geschichte verlaufen wird und was die Folgen sein werden, als der Dieb zuschlägt. Ich hätte es besser gefunden, wenn sie wirklich an ihre Geschichte geglaubt und es nicht als Drehbuch gesehen hätten. So wäre mein Mitgefühl mit manchen Figuren um einiges gestiegen, deren Geschichte bestohlen wurde. 

Die Idee des Diebes, der grundlegende Dinge aus den Geschichten stiehlt wie zum Beispiel das Weiße Kaninchen aus Alice im Wunderland fand ich richtig gut. So kamen viele Geschichten ins Spiel und es begann regelrecht eine Jagd durch die Literatur auf ihn. 
Als die Auflösung der Identität des Diebes kam war ich ziemlich überrascht. Da wurden also nie zu viele Hinweise gestreut, sodass es langweilig hätte werden können. 
Doch neben dem Dieb gibt es auch noch eine andere Person, die Stormsay unsicher macht. Es gibt also einiges zu rätseln.

Die Buchspringer ist somit auf jeden Fall etwas für uns Bücherliebhaber, die Lust auf einen Kurztrip in die Literatur haben. Manchmal hätte ich mir noch mehr Begegnungen mit den Figuren der Buchwelt gewünscht, aber ich glaube, da können Bücherwürmer nie genug bekommen. Aber ein paar mehr Momente in Der Zeile - ein Ort, an dem sich die Buchfiguren treffen, wenn sie in ihrer Geschichte gerade nicht dran sind - hätte ich mir schon gewünscht. Außerdem fand ich Amys Charakter ziemlich langweilig und auch die anderen Leute auf Stormsay waren ziemlich klischeehaft. Daher gibt es durchschnittliche drei Blumen.



2 buchtastische Nachrichten

  1. Oh, wieder eine schöne Rezension! Das Buch möchte ich aber trotzdem unbedingt lesen, da ich mir diese Bücherliebe, die mir in Seiten der Welt gefehlt hat, erhoffe ♥

    LG, Mary <3
    http://marys-buecherwelten.blogspot.de/

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    1. Danke, Mary :)

      Das Buch ist auf jeden Fall etwas für Buchliebhaber :) Ich wünsch dir dann viel Spaß beim Lesen! <3

      Liebste Grüße
      Elli

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Danke für jede buchtastische Nachricht! ♥