"Und plötzlich kam mir der Gedanke, dass ich die Sache mit dem Mut womöglich die ganze Zeit über falsch verstanden habe. Weil es nämlich einen großen Unterschied macht, ob man seine Angst überwindet, um Dinge zu tun, bei denen man riskiert, sich selbst zu verlieren, oder ob man es wie du macht und seinen ganzen Mut einsetzt, um in der Welt Spuren zu hinterlassen."
[S. 333 - Brief an Amelia Earhart]

Lieber Kurt Cobain,
wir haben gerade Englisch und sollen einen Brief an eine berühmte Persönlichkeit schreiben, die schon verstorben ist.

Es beginnt mit einem Brief. Laurel soll für ihren Englischunterricht an eine verstorbene Persönlichkeit schreiben. Sie wählt Kurt Cobain, den Lieblingssänger ihrer Schwester May, die ebenfalls viel zu früh starb. Aus dem ersten Brief wird eine lange Unterhaltung mit toten Berühmtheiten wie Janis Joplin, Amy Winehouse und Heath Ledger. Denn die Toten verstehen Laurel besser als die Lebenden. Laurel erzählt ihnen von der neuen Schule, ihren neuen Freunden und Sky, ihrer großen Liebe. Doch erst, als sie die Wahrheit über sich und ihre Schwester May offenbart, findet sie den Weg zurück ins Leben und kann einen letzten Brief an May schreiben …
 
Laurels Schwester May ist tot. 
Für Laurel war May perfekt - eine große Schwester wie keine zweite auf dieser Welt, weshalb sie der Verlust hart trifft. Jeder geht mit Trauer anders um und Laurel gehört zu den Menschen, die nicht gern über Gefühle reden. Stattdessen schreibt sie darüber in Briefen, die sie wohl niemals abschicken wird, denn jeder der Empfänger ist tot. 

Die Grundidee dieser Geschichte hat mir sehr gut gefallen, denn Briefe schreiben und abschicken kann jeder, aber Briefe an verstorbene Personen schreiben und damit ein ziemlich individuelles Tagebuch führen ist originell. 
Dadurch, dass dies ein sehr einseitiger Briefwechsel ist, erfahren wir die Geschichte auch nur aus Laurels Sicht. Außerdem beschränken sich die Beschreibungen auch nur auf das Wesentliche, da es eben tagebuchgleich ist und man dort auch nicht erst lang und breit erklärt wie denn die Umgebung um einen aussah, als man dies oder das gemacht hat. Es wird sich also auch mehr auf Laurels Gefühlswelt konzentriert, was für das Thema Trauerbewältigung sehr gut ist. Man kann Laurel dadurch sehr gut verstehen. 

Die Briefe beginnen immer sehr poetisch und nachdenklich. Jeder von ihnen ist auch auf den jeweiligen Empfänger zugeschnitten, wodurch man selbst auch die Personen besser kennen lernt, ohne sie nun gleich googeln zu müssen, denn einige davon kannte ich nicht (z.B. Judy Garland oder Amelia Earhart). Laurel hat jedoch zu jedem der verstorbenen Persönlichkeiten eine Verbindung, die auch meist mit May zu tun hat. 


Laurel selbst war mir leider nicht so sympathisch, weil sie meiner Meinung nach zu viel für eine Person gibt, die ihr aber nichts zurückgibt. Sie hat kaum Selbstvertrauen und möchte unbedingt sein wie May, wundert sich dann jedoch, wenn sie andere an May erinnert. Dann möchte sie plötzlich Laurel sein, obwohl sie überhaupt nicht weiß, wer diese Laurel überhaupt sein möchte. 

May kann ich noch weniger leiden als Laurel. Auf den ersten Blick scheint sie wirklich perfekt, aber auf den zweiten ist sie eine grauenhafte Person mit der ich auf keinen grünen Zweig komme.
Auch die Freundinnen von Laurel fand ich nicht sympathisch. Hannah hat nur Jungs im Kopf und Natalie rennt ihr hinterher wie ein Schoßhündchen. Auch da waren leider keine Punkte zu holen zwecks Sympathie.

Bei diesem Buch lag es also an den Charakteren, die mir ein wenig die Geschichte kaputt gemacht haben. Die wiederum hatte ein tolles Grundgerüst und hätte mit anderen Charakteren ein Highlight werden können. 
Gestaltet ist das Buch auch wunderschön. Nicht nur das Cover ist ein Hingucker! Blättert man in das Buch hinein erwarten einen erstmal Seiten voller Sternenhimmel. Wunderschön!




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