"Ich habe mir immer vorgestellt, dass das Leben eine Höhle voller Kerzen ist", sagt sie. "Bei unserer Geburt brennt die Hälfte der Kerzen. Jede gute Tat entzündet eine weitere und spendet etwas mehr Licht. [...] Aber zwischendurch erlöschen auch Flammen durch Egoismus und Gemeinheiten. Verstehst du? Einige Kerzen zünden wir an, andere blasen wir aus. Am Ende können wir nur hoffen, dass wir in dieser Welt mehr Licht als Dunkel geschaffen haben."
[S. 56] 

Das Ganze dauerte einhundertdreiundsechzig Tage. 

Mit zittrigen Fingern öffnet die TV-Moderatorin Hannah Farr einen Brief. Der Absender ist eine ehemalige Schulfreundin, die sie jahrelang gemobbt hat. Die Frau bittet sie nun um Vergebung. Dem Brief beigelegt sind zwei kleine runde Steine und eine Anleitung. Einen Stein soll sie als Zeichen dafür zurücksenden, dass sie ihrer früheren Klassenkameradin vergibt. Den anderen soll sie an jemanden schicken, den sie selbst um Verzeihung bitten möchte. Hannah weiß sofort, wer das sein könnte: ihre Mutter. Aber soll sie wirklich zurück zu den schmerzhaften Ereignissen von damals und die Auseinandersetzung mit dem Menschen suchen, der sie am besten kennt? Denn Hannah hat etwas getan, das das Leben ihrer Mutter für immer verändert hat … 
 
Jeder von uns hat schon Fehler in seinem Leben gemacht, die anderen Leuten vielleicht weh getan haben. Für manche von ihnen war es nicht schwer, sich zu entschuldigen, für andere hingegen findet man keine Worte, um auch nur eine annähernd ausreichende Entschuldigung zu formulieren. Und manchmal möchte man sich selbst gar nicht eingestehen, dass man etwas falsch gemacht hat, da es einfacher ist, mit einer Lüge zu leben, als sich seine Schuld einzugestehen. 
 
Genauso geht es Hannah Farr in Nur einen Horizont entfernt. In ihrer Kindheit wurde sie übel verletzt von einem anderen Mädchen und hat dann selbst einen schlimmen Fehler begangen. 
Aber nicht nur Hannah trägt eine schwere Last mit sich herum, sondern jeder in ihrem Umfeld. In dem Buch erfahren wir also auch viel von den Nebencharakteren, die jemandem vergeben oder die selbst um Verzeihung bitten. 

Alles fängt mit 70 Steinchen an, die von Hannahs ehemaliger Schulfreundin verschickt wurden - zwei für jeden, den sie um Vergebung bittet. Ein Stein soll zurückgeschickt werden, wenn man die Entschuldigung annimmt und vergibt und den anderen soll man selbst weiterschicken an jemandem, dem man selbst Unrecht angetan hat. 
So kommt Hannahs Geschichte ins Rollen und sie beginnt sich wieder mit ihrer Vergangenheit auseinander zu setzen, mit der sie eigentlich abgeschlossen hatte.


Damals hatte sie schlimme Anschuldigungen vorgenommen, die vielleicht doch nicht so der Wahrheit entsprechen, wie sie andere Leute hat glaubhaft machen wollen. Ich selbst habe ihr am Anfang auch geglaubt, doch je mehr die Geschichte voranschreitet, desto mehr weiß man selbst nicht mehr, was man noch glauben soll. Es bleibt also ziemlich spannend und unvorhersehbar, da man nach den nächsten 10 Seiten sowieso wieder seine Meinung ändern kann, da eine neue Wahrheit ans Licht kommt.

Da nicht nur Hannah sich entschuldigt, sondern so gut wie jeder Charakter in diesem Buch, war ich zeitweise etwas durcheinander, wessen Geheimnis nun gelüftet wurde und wer nun was zu wissen glaubt. 

An Emotionen wird natürlich auch nicht gespart, denn wie jeder weiß gehen die mit Entschuldigungen und Beichten immer einher. Vor allem die Augenblicke zwischen Hannah und ihrer Mutter haben mich sehr berührt, da sie gut gezeigt haben, wie innig Mutter-Tochter-Beziehungen sind, auch wenn man sich jahrelang nicht gesehen hat. 

Alles in Einem ein sehr schönes Buch über das Vergeben und sich selbst etwas eingestehen, um endlich zu seinem Glück zu finden. Eine nette Leseempfehlung für zwischendurch.
 
 
 


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