Ich stelle mir vor, wie ich sein werde, wenn ich tot bin. Vollkommen. Atemlos. Mit einem stillen, steinernen Herzen. Die Last meines nutzlosen Körpers verfault in der Erde. Meine Seele, leichter als Papier, gleitet weg von ihrem Kerker aus Fleisch.
[S. 41]

Noch siebenundzwanzig Tage bis zur Freiheit, und ich bin gefangen in einem Blechkasten mit grau bezogenen Sitzen und dem künstlichen Piña-colada-Gestank eines Wunderbaums, der am Rückspiegel baumelt.

Stevie hat nichts mehr zu verlieren. Sie ist fest entschlossen, aus diesem Körper, aus diesem Leben zu verschwinden. Aber alle wollen sie daran hindern. Ihr Vater, der sie ins Therapiezentrum einweisen ließ. Anna, die so ganz anders ist als die anderen Seelenklempner. Und selbst den Mädchen, mit denen sie ein Zimmer und ein Schicksal teilt, fühlt sich Stevie jeden Tag näher. Aber sie wird sich nicht öffnen, sie hat schließlich einen Plan.  

Stephanie - alias Stevie - leidet unter einer Essstörung. Ihr Vater schickt sie in ein Therapiezentrum, damit sie sich der "Heilung" unterziehen kann, wie es dort genannt wird. Doch Stevie möchte nicht gesund werden, sondern verschwinden und dafür hat sie noch 27 Tage Zeit. Bis dahin will sie tot sein.

Die Thematik des Buches ist alles andere als leicht, sondern eher sehr schwere Kost. Vor allem, weil die Autorin selbst durch die Krankheit gegangen ist und daher weiß wovin sie spricht. Sie beschreibt die Auswirkungen einer solchen Essstörung sehr ehrlich, was mir teilweise ziemliche Gänsehaut bereitet hat. Aussagen wie "Mädchen mit einem grünen Band ums Handgelenk sind schwach, denn sie fügen sich der Heilung" und "Ich werde für immer eines der roten Mädchen bleiben" sind da keine Seltenheit. Am meisten jedoch hat mich schockiert, als Stevie ihre Diagnose Bulemie bekommt. Sie bricht zusammen, weil sie zu den Magersüchtigen gehören möchte, denn dies seien schließlich die Mädchen, die es schaffen gar nichts zu essen. Die wissen was es heißt, disziplinert zu sein.



Stevies ehrliche Gedanken haben mich also ziemlich aus der Bahn geworfen.
Auch ihr Grund, weshalb sie damit angefangen hat ihren Körper zu hassen und sterben zu wollen, fand ich nachvollziehbarer als der 0-8-15-Grund "Ich wollte so dünn sein wie die anderen". Vor einem Jahr starb ihr Bruder und seinen Verlust hat sie nie wirklich verkraftet, weshalb sie an seinem Todestag nun auch sterben möchte.

Die Geschichte zwischen Josh - Stevies Bruder - und Stevie spielt eine große Rolle in diesem Buch und nach und nach wird aufgedeckt was es mit Joshs Tod auf sich hat und was Stevie damit zu tun hat. Sehr spannend! Wir erfahren also auch einiges aus Stevies früherem Leben.

Stevies Entwicklung während der Geschichte gefiel mir sehr. Sie wurde nie zu einem Mädchen, dass sich plötzlich komplett verändert und einsieht, dass sie unbedingt Hilfe braucht. Sie ist sich immer treu geblieben und konnte sich dennoch dabei zum positiven entwickeln. Das hat sie mir sehr sympathisch gemacht.

Ebenso sympathisch war mir ihre Therapeutin SK. SK steht für Seelenklempner und wird von Stevie benutzt, um Anna zu beschreiben, die viele Gespräche mit ihr führt. Auch diese hat eine dunkle Vergangenheit, die später näher beleuchtet wird.

Alles so leicht ist also alles andere als leicht und niemandem zu empfehlen, der sich in solche Menschen wie Stevie überhaupt nicht hineinversetzen möchte oder kann. Für einige ist dieses Buch vielleicht auch mit Vorsicht zu genießen.
Mir wird es auf jeden Fall noch lange im Gedächtnis bleiben, da es seit langem mal wieder ein Buch war, das ich nicht aus der Hand legen konnte.



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