War Errol je bewusst, dass sein Leben am Ende bloß ein Bindestrich auf einem Grabstein sein würde? Dass alles, was er tat, alles, was er aß, und die Autofahrten, die er machte, und die Küsse, die er gab, schließlich zu einem Strich auf einem Stein werden würden?
[S. 154]


Millies Hund Rambo war ihr Allererstes Totes Ding.


Millie Bird ist sieben, als sie ihr erstes totes Ding findet, Rambo, ihren Hund. Von da an führt sie Buch über alles, was auf der Welt verloren geht: die Stubenfliege. Die Großmutter. Der Weihnachtsbaum. Darauf, dass sie auch ihren Dad in ihr Buch der Toten Dinge eintragen
muss, war sie überhaupt nicht vorbereitet, und auch nicht darauf, dass ihre Mom sie im Kaufhaus stehen lässt und nicht wiederkommt.
Karl ist siebenundachtzig, als sein Sohn ihn ins Altersheim bringt. Hier wird er nicht bleiben, denkt Karl, als er seinem Sohn nachschaut, und kurz darauf haut er ab. Erst mal ins Kaufhaus, bis sich was Besseres findet. Dort trifft er Millie.
Agatha ist zweiundachtzig und geht nicht mehr aus dem Haus, seit ihr Mann gestorben ist. Halb versteckt hinter Gardine und Efeu, sitzt sie am Küchenfenster und beschimpft die Passanten. Bis das kleine Mädchen von gegenüber zurückkommt, allein …



Millie Bird führt ein Buch über tote Dinge, doch als sie ihren Papa in dieses Buch eintragen muss gerät ihre Welt aus den Fugen. Ihre Mutter ist mit der Situation überfordert und lässt die kleine Millie deshalb alleine in einem Kaufhaus zurück, wo das Mädchen von nun an auf sich allein gestellt ist. Doch schon bald trifft sie auf Karl den Tasttipper und auf Agatha. Die beiden Rentner helfen der Kleinen dabei ihre Mutter zu finden und begeben sich dafür auf eine witzige, spannende und emotionale Reise.

Millie ist ein total sympathisches Mädchen. Obwohl ihre Mutter sie verlassen hat steckt sie nicht den Kopf in den Sand oder ist ihr böse. Sie glaubt fest daran, dass sie wiederkommen wird und verliert nicht ihre Freude. Sie ist ziemlich aufgeweckt und hat Gedanken, die für ein Kind typisch sind. Sie hinterfragt viel und kommt manchmal zu den verrücktesten Schlüssen. Brooke Davis hat es bei Millie wirklich geschafft sie wie ein Kind klingen zu lassen, was ich beeindruckend finde, da es als Erwachsener nicht leicht ist wie ein Kind zu denken.

Karl ist ein lustiger Rentner, der Millie im Kaufhaus begegnet. Er nimmt sich dem Mädchen an und möchte ihr helfen. Er fühlt sich ihr sehr verbunden und kümmert sich rührend um das kleine Mädchen. Er sorgt auf jeden Fall für Humor in der Geschichte, weil er einfach eine kühle Art hat und nicht immer darüber nachdenkt, was er macht. Ein Mal steigt er bei zwei Jugendlichen ins Auto, um per Anhalter zu fahren und ich konnte mich kaum einkriegen vor lachen.
Allgemein musste ich das ganze Buch über sehr viel lachen. Es ist zauberhaft und doch emotional.


An Agatha sieht man wie schmerzhaft ein Verlust eines Menschen sein kann. Vor Jahren starb ihr Mann und seitdem ist sie so einsam, dass sie laut schreit, wenn sie spricht, um überhaupt mit wem zu reden. Ihr Fernseher läuft auf statischem Rauschen und ihr Tag ist komplett durchgeplant. Sie wohnt gegenüber von Millie und ist seit Jahren nicht mehr rausgegangen. Stattdessen beleidigt sie Passanten, die an ihrem Haus vorbeigehen. Agathas Geschichte sorgt also nicht nur für Emotionalität, sondern auch für Witz.

Mit diesem Dreiergespann ist eine spannende Geschichte also schon sicher. Sie reisen quer durch das Land und machen viele lustige Situationen durch. Dieses Buch ist voller Humor, Freundschaft, Verlust und Liebe. Eine Mischung aus Gefühlen, die eine Achterbahnfahrt bei mir ausgelöst hat. Ich konnte es nicht aus der Hand legen.
Natürlich ist es auch speziell. Es gibt keine richtige wörtliche Rede. Alles, was von Personen gesagt wird ist einfach kursiv geschrieben. Anfänglich hat es mich irritiert, aber nach ein paar Seiten hat man sich daran gewöhnt, was auch an dem fantastischen Schreibstil der Autorin liegt.

Dsa einzige, was mich an der Geschichte gestört hat war das Ende, denn das war für die Leichtigkeit und die Tiefsinnigkeit des Buches ein wenig zu pessimistisch. Dennoch war es kein Ende, das den Leser unzufrieden zurücklässt.
Im Großen und Ganzen also ein tolles Buch, das ich auf jeden Fall weiterempfehlen würde!




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Danke für jede buchtastische Nachricht! ♥